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Mehr Mittelinseln

bfu – Beratungsstelle für Unfallverhütung
Hodlerstrasse 5a
3011 Bern

Egerkingen, 07.09.2011

Mehr Mittelinseln

Sehr geehrte Damen und Herren

Den Medien ist zu entnehmen, dass Ihre Organisation mehr Mittelinseln auf Fussgängerstreifen fordert. Dies (Zitat), "weil Autofahrer den Vortritt der Fussgänger auf dem Zebrastreifen ignorierten". (Ende Zitat).

Mittelinseln können mitunter ein probates Mittel sein, um dem Fussgänger den Überblick zu erleichtern. Erst schaut er nach links, sichert sich ab, geht zur Mittelinsel, schaut nach rechts, sichert sich ab, geht auf die andere Strassenseite.

Das sollte die Regel sein. Doch im täglichen Verkehr beobachte ich vielfach ein anderes Verhalten. Viele Fussgänger sind im Irrglauben, sie hätten jederzeit und bedingungslos Vortritt vor dem rollenden Verkehr. Unvermittelt und ohne dass ein Fahrzeuglenker dies hätte ahnen können, treten sie auf die Strasse. Gegen diese Ignoranz helfen auch Mittelinseln nichts. Dabei bestimmt das Gesetz klar, dass ein Fussgänger den Streifen nur betreten darf, wenn er den Fahrzeuglenkern durch klare Haltung signalisiert hat, dass er über diesen überqueren will.

Kommt dazu, dass es ratsamer wäre, abzuwarten und sicher zu gehen, dass der Fahrzeuglenker vor dem "Streifen" auch anhält.

"Luege, lose, laufe". Nach diesem einfachen Grundsatz unterrichtet die Polizei schon Kindergärteler. Doch diese Empfehlung ist den Erwachsenen offenbar nicht mehr präsent.

Mittelinseln sind in den allermeisten Fällen für die so genannt "schwächeren" Verkehrsteilnehmer keine positive Lösung. Da gibt es Radstreifen, welche kurz vor der Mittelinsel aufhören, weil die Strassenbreite nicht genügt, um beiden Ansprüchen zu genügen: Radstreifen und Mittelinsel. Entweder das Eine oder das Andere.

Nach über 45-jähriger Fahrpraxis (ohne Fahrausweis-Entzug), beobachte ich seit Jahren ein Verhalten von Fussgängern und Velofahrern, welches mich mitunter "tschuderet" (berndeutscher Ausdruck). Es ist meines Erachtens die politische Propaganda "Autofahrer sind bös, Velofahrer und Fussgänger lieb", welche zu diesen Verzerrungen im Rechtsverständnis geführt haben. Dagegen helfen keine technischen Mittel sondern eine Rückkehr auf Regeln, die es für alle Verkehrsteilnehmer durchzusetzen gilt.

Könnte es sein, das die BfU künftig auf zweifelhafte technische Forderungen verzichtet und statt dessen Kampagnen startet, welche die "schwächeren" Verkehrsteilnehmer (Fussgänger und Velofahrer) auf die gesetzlichen Bestimmungen und richtiges Verhalten hinweisen? Dies würde der Verkehrssicherheit mehr dienen.

Freundliche Grüsse.

Jürg Scherrer
alt Nationalrat
Präsident auto-partei.ch
E-Mail: jsc.jscherrer@bluewin.ch
Veröffentlicht: 20:24:24 07.09.2011 - Autor: Jürg Scherrer